HILDEGARD WILLENBRING, Kunsthistorikerin Berlin - Laudatio zur Ausstellung “Lichtblicke” in der Schinkelkirche Petzow          Juli 2014      „Lichtblicke“ ist der Titel dieser Personalausstellung, in der uns Werke von der Borkwalder Künstlerin Heike Cybulski aus der Kunstgattung der Malerei vorgestellt werden.  Wir sehen farbsatte und zarte Farbfelder sowie wohl dosierte Farbakzente oder Pointierungen, teilweise komponiert mit figurativen Elementen. Die Werke sind abstrakt. Kann abstrakte Kunst Lichtblicke erzeugen? Wir Betrachter versuchen oftmals die Kunst mit dem Verstand zu erfassen. Nun finden wir in den Bildern von Heike Cybulski Gestaltungselemente, die wir seit dem abstrakten Expressionismus, besser gesagt aus den verschiedenen Ausrichtungen des abstrakten Expressionismus, in der Kunst kennen und lieben gelernt haben: Die freie gestisch-expressive Handschrift, die ruhige und meditative Wirkung der Farbfelder, die spontane und unmittelbare Entäußerung des Unbewussten beim Malvorgang, das Dripping, die Lage der Leinwand während des Malaktes auf dem Boden, die Farbe an sich und der experimentelle Vorgang des Farbauftrages als gegenstandsloser Inhalt.   Kunstgeschichtlich lehnt sich der abstrakte Expressionismus nicht so sehr, wie der Name vermuten läßt, an den Expressionismus an, sondern an die Methoden des automatischen Schreibens aus dem Surrealismus. Mit Hilfe der Methode der freien Assoziationen war es möglich neue unbewusste Themen zu finden. Dies bedeutete, dass eine große Freiheit in der Entstehungsphase des Bildes entstand wie auch in der Interpretation des Betrachters.   Den eigenen Stil oder den Wiedererkennungseffekt der Kunst von Heike Cybulski sehe ich in der Kombination dieser Gestaltungsmittel aus den unterschiedlichen Richtungen: Die Komposition der Farbfelder zu Beginn, dann die Bearbeitung der Farbfelder mit Lasurtechnik, mit dem Auf- und Abtragen der Farbe mittelst verschiedener Techniken, immer und immer wieder, so dass imaginative Farb- und Lichträume entstehen. Die Konturen der Farbfelder mal in harter Abgrenzung zum nächsten Farbfeld oder mal in einem weichen Übergang gestaltet. Dann die Schlussbearbeitung des Bildes mit farblichen Pointierungen, oder einem Dripping oder einem figurativen Element. Während des Malaktes sind Gefühle, Gedanken, Lebenseinstellung, Malrhythmus und Musikklänge im Hintergrund der intuitive Motor. Jedes Werk wird so zu einer Momentaufnahme der Intuition von Heike Cybulski. Die inhaltliche Freiheit der abstrakten Malerei besitzt einen Fundus, der uns Betrachtern eine Möglichkeit bietet, ohne den Verstand ein Bild einfach wahrzunehmen und auf uns wirken zu lassen. So entsteht die Möglichkeit uns selbst zu begegnen. Die Voraussetzung für solch ein Erlebnis ist die Bereitschaft des Betrachters zur Wahrnehmung und zum Verlassen der konventionellen Bildsprache einer medialen Welt. Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einem Bild von Heike Cybulski. Das Auge erfasst die Bildfläche und die Komposition, dann die Farbe, z.B. Gelb, es nimmt die Farbschichten im Farbfeld wahr, wandert über die verschiedenen Farbnuancen, sieht die unterschiedlichen Strukturen der angewandten Techniken. Hier die dynamische Spachtelspur, da die Perlstrukturen der teilweise abgetragenen Farbe, dazwischen die Lasurtechnik und dann die farbliche Pointierung. Und plötzlich erfahren Sie durch eine helle Farbfläche ein Schlupfloch und befinden sich in einem Raum. Um Sie herum eine träge, jedoch gleichzeitig kraftvolle Farbmasse, die sich langsam auf eine klare Farbschranke zugbewegt. Und dann passiert irgendwann die Verknüpfung mit den eigenen Empfindungen, den eigenen Gedanken, den eigenen Erinnerungen. Einfach so. Sie ist ebenso wenig geplant wie das Bildthema von der Künstlerin Heike Cybulski. Auf diese oder eine ähnliche Art werden aus den geschaffenen Farb- und Lichträumen die eigenen Lichtträume, die einen Ausgangspunkt bilden, um Reisen in die fernen Länder unserer Erinnerungen, Gefühle und Gedanken zu beginnen. Diese Verknüpfung hängt ebenso von der eigenen Stimmung ab, wie von der Bereitschaft sich auf die Farben oder das Bild als Ganzes einzulassen. Es funktioniert immer wieder auf die gleiche oder eine andere Weise. Und das ist für mich ein besonderes Qualitätskriterium an Kunst. Heike Cybulski bietet uns Betrachtern mit ihrem abstrakt-figurativen Kunststil Assoziationsmöglichkeiten. Die Bilder erregen bei jedem Betrachter Aufmerksamkeit, der Freude am Entschlüsseln, am Überlegen und Verwerfen hat. Die Werke bleiben im Gedächtnis und jede neue Begegnung zwischen Betrachter und Kunstwerk bleibt spannend. Abschließend habe ich dann noch eine letzte Frage. Was suchen wir in der Kunst? Wir, die wir nicht so brillant mit Farbe, Pinsel, Rolle und Leinwand umgehen können und nicht unsere Gefühle, Gedanken und Erfahrungen in Farbe ausdrücken können. Vielleicht suchen wir ja einen Lichtblick, damit wir in unserem farblosen Alltag an das Mögliche, das Andere, das Besondere glauben können. Danke Heike Cybulski. << zurück . Hildegard Willenbring Kunsthistorikerin Juli 2014  
   HILDEGARD WILLENBRING, Kunsthistorikerin Berlin - Laudatio zur Ausstellung “Lichtblicke” in der Schinkelkirche Petzow          Juli 2014      „Lichtblicke“ ist der Titel dieser Personalausstellung, in der uns Werke von der Borkwalder Künstlerin Heike Cybulski aus der Kunstgattung der Malerei vorgestellt werden.  Wir sehen farbsatte und zarte Farbfelder sowie wohl dosierte Farbakzente oder Pointierungen, teilweise komponiert mit figurativen Elementen. Die Werke sind abstrakt. Kann abstrakte Kunst Lichtblicke erzeugen? Wir Betrachter versuchen oftmals die Kunst mit dem Verstand zu erfassen. Nun finden wir in den Bildern von Heike Cybulski Gestaltungselemente, die wir seit dem abstrakten Expressionismus, besser gesagt aus den verschiedenen Ausrichtungen des abstrakten Expressionismus, in der Kunst kennen und lieben gelernt haben: Die freie gestisch-expressive Handschrift, die ruhige und meditative Wirkung der Farbfelder, die spontane und unmittelbare Entäußerung des Unbewussten beim Malvorgang, das Dripping, die Lage der Leinwand während des Malaktes auf dem Boden, die Farbe an sich und der experimentelle Vorgang des Farbauftrages als gegenstandsloser Inhalt.   Kunstgeschichtlich lehnt sich der abstrakte Expressionismus nicht so sehr, wie der Name vermuten läßt, an den Expressionismus an, sondern an die Methoden des automatischen Schreibens aus dem Surrealismus. Mit Hilfe der Methode der freien Assoziationen war es möglich neue unbewusste Themen zu finden. Dies bedeutete, dass eine große Freiheit in der Entstehungsphase des Bildes entstand wie auch in der Interpretation des Betrachters.   Den eigenen Stil oder den Wiedererkennungseffekt der Kunst von Heike Cybulski sehe ich in der Kombination dieser Gestaltungsmittel aus den unterschiedlichen Richtungen: Die Komposition der Farbfelder zu Beginn, dann die Bearbeitung der Farbfelder mit Lasurtechnik, mit dem Auf- und Abtragen der Farbe mittelst verschiedener Techniken, immer und immer wieder, so dass imaginative Farb- und Lichträume entstehen. Die Konturen der Farbfelder mal in harter Abgrenzung zum nächsten Farbfeld oder mal in einem weichen Übergang gestaltet. Dann die Schlussbearbeitung des Bildes mit farblichen Pointierungen, oder einem Dripping oder einem figurativen Element. Während des Malaktes sind Gefühle, Gedanken, Lebenseinstellung, Malrhythmus und Musikklänge im Hintergrund der intuitive Motor. Jedes Werk wird so zu einer Momentaufnahme der Intuition von Heike Cybulski. Die inhaltliche Freiheit der abstrakten Malerei besitzt einen Fundus, der uns Betrachtern eine Möglichkeit bietet, ohne den Verstand ein Bild einfach wahrzunehmen und auf uns wirken zu lassen. So entsteht die Möglichkeit uns selbst zu begegnen. Die Voraussetzung für solch ein Erlebnis ist die Bereitschaft des Betrachters zur Wahrnehmung und zum Verlassen der konventionellen Bildsprache einer medialen Welt. Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einem Bild von Heike Cybulski. Das Auge erfasst die Bildfläche und die Komposition, dann die Farbe, z.B. Gelb, es nimmt die Farbschichten im Farbfeld wahr, wandert über die verschiedenen Farbnuancen, sieht die unterschiedlichen Strukturen der angewandten Techniken. Hier die dynamische Spachtelspur, da die Perlstrukturen der teilweise abgetragenen Farbe, dazwischen die Lasurtechnik und dann die farbliche Pointierung. Und plötzlich erfahren Sie durch eine helle Farbfläche ein Schlupfloch und befinden sich in einem Raum. Um Sie herum eine träge, jedoch gleichzeitig kraftvolle Farbmasse, die sich langsam auf eine klare Farbschranke zugbewegt. Und dann passiert irgendwann die Verknüpfung mit den eigenen Empfindungen, den eigenen Gedanken, den eigenen Erinnerungen. Einfach so. Sie ist ebenso wenig geplant wie das Bildthema von der Künstlerin Heike Cybulski. Auf diese oder eine ähnliche Art werden aus den geschaffenen Farb- und Lichträumen die eigenen Lichtträume, die einen Ausgangspunkt bilden, um Reisen in die fernen Länder unserer Erinnerungen, Gefühle und Gedanken zu beginnen. Diese Verknüpfung hängt ebenso von der eigenen Stimmung ab, wie von der Bereitschaft sich auf die Farben oder das Bild als Ganzes einzulassen. Es funktioniert immer wieder auf die gleiche oder eine andere Weise. Und das ist für mich ein besonderes Qualitätskriterium an Kunst. Heike Cybulski bietet uns Betrachtern mit ihrem abstrakt-figurativen Kunststil Assoziationsmöglichkeiten. Die Bilder erregen bei jedem Betrachter Aufmerksamkeit, der Freude am Entschlüsseln, am Überlegen und Verwerfen hat. Die Werke bleiben im Gedächtnis und jede neue Begegnung zwischen Betrachter und Kunstwerk bleibt spannend. Abschließend habe ich dann noch eine letzte Frage. Was suchen wir in der Kunst? Wir, die wir nicht so brillant mit Farbe, Pinsel, Rolle und Leinwand umgehen können und nicht unsere Gefühle, Gedanken und Erfahrungen in Farbe ausdrücken können. Vielleicht suchen wir ja einen Lichtblick, damit wir in unserem farblosen Alltag an das Mögliche, das Andere, das Besondere glauben können. Danke Heike Cybulski. << zurück . Hildegard Willenbring Kunsthistorikerin Juli 2014